Liquidität sichern: Rechnungen und Cashflow prüfen


Working-Capital-Schock stoppen: So sicherst du deine Liquidität

Hast du das Gefühl, dass dein Geld in Rechnungen und Regalen steckt, während die Bank plötzlich die Kreditlinie kürzt? Dann bist du nicht allein. Der sogenannte Working-Capital-Schock trifft viele kleine und mittlere Unternehmen. In diesem Beitrag erkläre ich in einfachen Worten, was dahintersteckt und welche konkreten Schritte du jetzt gehen kannst, um deinen Cashflow und deine Liquidität zu sichern.

Was ist der Working-Capital-Schock?

Der Working-Capital-Schock passiert, wenn Forderungen später bezahlt werden, Lagerbestände steigen und Banken Forderungen als riskant einstufen. Kurz gesagt: Du hast weniger flüssiges Geld, obwohl dein Unternehmen eigentlich Gewinn macht. Stell dir vor, du baust eine Brücke aus Rechnungen und Ware — wenn ein Träger wegbricht (Kunden zahlen spät, Bank zieht Leitung), fällt die ganze Brücke in sich zusammen.

Warum trifft das viele Unternehmen gerade jetzt?

  • Kunden verlängern Zahlungsziele — Geld kommt später.
  • Banken sehen Forderungen als Risiko und kürzen Kreditlinien.
  • Lager wird größer, weil Beschaffung und Absatz nicht synchron laufen.
  • Margen schrumpfen, weil Rabatte verloren gehen oder zusätzliche Finanzierungskosten anfallen.

Das Ergebnis: Dein Cashflow leidet, und ohne aktives Liquiditätsmanagement kann das schnell existenzbedrohend werden.

Drei typische Folgen

  • Rabattverlust: Du kannst nicht mehr früh einkaufen und verlierst Lieferantenrabatte.
  • Margendruck: Zins- und Finanzierungskosten fressen Gewinn.
  • Existenzrisiko: Im schlimmsten Fall droht die Betriebsaufgabe.

Wie baust du ein Working-Capital-System auf?

Ein strukturiertes System hilft dir, unabhängig von den Zahlungsgewohnheiten deiner Kunden zu werden. Hier sind die wichtigsten Bausteine — einfach erklärt und sofort umsetzbar.

1. Forderungsmanagement (einfach & wirksam)

Forderungsmanagement klingt trocken, ist aber oft der größte Hebel. Frag dich: Wie schnell stelle ich Rechnungen? Wie konsequent sind Mahnungen? Hier ein paar Maßnahmen:

  • Rechnungen sofort senden: Je früher die Rechnung raus, desto schneller die Zahlung.
  • Klare Zahlungsziele: Kurz und verständlich — 7, 14 oder 30 Tage statt vager Formulierungen.
  • Anreize für frühere Zahlung: Kleine Skonto-Angebote oder Rabatte.
  • Automatisierte Mahnläufe: E-Mails und SMS können viel Druck ausüben, ohne unhöflich zu sein.
  • Bonitätsprüfung: Vor großen Aufträgen kurz die Zahlungsfähigkeit prüfen.

Ich habe einmal mit einem Mittelständler gearbeitet, der seine Rechnungen automatisch am Monatsanfang verschickte statt nach Abschluss der Lieferung. Ergebnis: Zahlungen kamen im Schnitt zehn Tage früher — das machte einen spürbaren Unterschied beim Cashflow.

2. Lagerfinanzierung und Bestandsmanagement

Viele Firmen haben zu viel Kapital im Lager gebunden. Das ist wie Geld, das in einer Vitrine liegt — hübsch, aber nicht verfügbar.

  • Bestände reduzieren: Überprüfe deine Mindestbestände und Bestellmengen.
  • Just-in-Time (JIT): Wo möglich, Lieferungen zeitlich enger mit Verkäufen abstimmen.
  • Konsignationslager: Teile mit Lieferanten, dass sie Ware bei dir lagern — du zahlst erst bei Abnahme.
  • Inventory Financing: Lagerfinanzierung kann helfen, kurzfristig Liquidität freizusetzen.

3. Debitoren- und Forderungsfinanzierung

Wenn Kunden spät zahlen, gibt es Finanzinstrumente, die sofort Liquidität bringen:

  • Factoring: Forderungen werden an einen Dienstleister verkauft, du bekommst das Geld sofort.
  • Reverse Factoring: Der Lieferant bekommt früher sein Geld, du profitierst von besseren Konditionen.
  • Kredite auf Forderungsbasis: Kreditlinien, die durch offene Rechnungen gedeckt sind.

Diese Lösungen sind nicht immer billig, aber sie sind ein gezieltes Werkzeug, um einen Working-Capital-Schock zu überbrücken.

4. Liquiditätsplanung: Der Fahrplan für dein Geld

Ohne Plan weißt du nicht, ob du nächste Woche zahlen kannst. Deshalb: Erstelle eine regelmäßige Liquiditätsplanung.

  • Wöchentliche Cashflow-Prognosen: Kurzfristig ist das entscheidend.
  • Szenarien durchspielen: Was passiert, wenn 20% der Kunden 30 Tage später zahlen?
  • Notfall-Puffer: Ein Sicherheitskonto mit zwei bis vier Wochen laufenden Kosten.

Transparenz ist hier das A und O. Wenn du weißt, wo die Engpässe entstehen, kannst du gezielt handeln.

Praktische Checkliste: Sofortmaßnahmen

  • Rechnungen sofort versenden, Mahnprozesse automatisieren.
  • Zahlungsziele überdenken und kleine Skonti anbieten.
  • Lieferantenkonditionen verhandeln, Konsignationslager prüfen.
  • Factoring oder Inventory Financing als kurzfristige Lösung prüfen.
  • Wöchentliche Liquiditätsplanung einführen und Stress-Tests durchführen.

Fazit: Jetzt handeln — nicht abwarten

Der Working-Capital-Schock ist real, aber er ist kein Schicksal. Mit einfachen, strukturierten Maßnahmen kannst du deinen Cashflow schützen, Margen sichern und dein Unternehmen robust machen. Denk daran: Kleine Änderungen (Rechnungen schneller verschicken, Lager reduzieren) wirken oft schneller als teure Kreditverhandlungen.

Möchtest du konkreten Rat für dein Unternehmen? Schreib ‘Info’ oder kontaktiere uns — wir besprechen in einem kurzen Erstgespräch, welche Maßnahmen für dich sofort greifen. Schütze deine Liquidität, bevor sie zur Existenzfrage wird.

Leave a Comment